Dienstag, 8. März 2011

Clara, Rosa, Brot & Rosen - 100 Years International Women's Day....

Brot und Rosen
Wenn wir zusammen gehen, geht mit uns ein schöner Tag
Durch all die dunklen Küchen, und wo grau ein Werkshof lag,
beginnt plötzlich die Sonne uns're arme Welt zu kosen,
und jeder hört uns singen Brot und Rosen!
Wenn wir zusammen gehen, kämpfen wir auch für den Mann,
weil ohne Mutter kein Mensch auf die Erde kommen kann
Und wenn ein Leben mehr ist als nur Arbeit, Schweiß und Bauch,
wollen wir mehr Gebt uns das Brot, doch gebt die Rosen auch.
Wenn wir zusammen gehen, gehen uns're Toten mit
Ihr unerhörter Schrei nach Brot schreit auch durch unser Lied.
Sie hatten für die Schönheit, Liebe, Kunst, erschöpft nie Ruh.
Drum kämpfen wir ums Brot und wollen die Rosen dazu.
Wenn wir zusammen gehen, kommt mit uns ein bess'rer Tag.
Die Frauen die sich wehren, wehren aller Menschen Plag.
Zu Ende sei dass kleine Leute schuften für die Großen.
Her mit dem ganzen Leben Brot und Rosen!
 

19.März 1911 - Erster Frauentag in Berlin/Foto:picture-allliance 

19. März 1911: Am ersten Frauentag in Berlin demonstrieren Frauen für ihr Wahlrecht. Getragen wird die Bewegung vor allem von der Sozialdemokratie und den Sozialistinnen. Es geht den Demonstrantinnen unter anderem um menschenwürdige Arbeitsbedingungen und gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Dazu kommt ein Friedensgedanke, der in der politischen Stimmung vor dem Ersten Weltkrieg eine Ausnahme ist. Ähnliche Veranstaltungen fanden in Österreich, der Schweiz und Dänemark statt. Später wird der Termin auf den 8. März festgelegt. 

»Her mit dem ganzen Leben! Brot und Rosen!« 

Als Ursprung des Datums kann man unterschiedliche Ereignisse bemühen. 1857 gab es in New York einen Arbei­terinnenstreik, 1909 streikten ebenfalls in New York 20 000 Näherinnen, ein Jahr später fand in Kopenhagen die Zweite Internationale Sozialistische Frauenkonferenz statt; auf dieses Ereignis beziehen sich heutzutage die meisten Frauen, Clara Zetkin forderte dort erstmals einen internationalen Frauentag. -

March 19, 1911: On the first Women's Day in Berlin, women demonstrate for their right to vote. The movement is mainly supported by the social democrats and the socialists. Among other things, the demonstrators are concerned with decent working conditions and equal pay for equal work. In addition, there is an idea of ​​peace, which is an exception in the political mood before the First World War. Similar events took place in Austria, Switzerland and Denmark. Later the date will be set for March 8. 

“Bring on our whole life! Bread and roses!" 

Different events can be used as the origin of the date. In 1857 there was a workers' strike in New York, in 1909 20,000 seamstresses also struck in New York, and a year later the Second International Socialist Women's Conference took place in Copenhagen; Most women refer to this event nowadays, Clara Zetkin called for an international women's day there for the first time.

1914 - Clara Zetkin (left) & Rosa Luxemburg/Fotoquelle  

Der Slogan Brot und Rosen stammt aus einem Gedicht von James Oppenheim, welches 1911 veröffentlicht wurde und den Frauen im Westen gewidmet ist. 1912 war Brot und Rosen eine Streik-Parole und wurde auch als Lied mit dem Streik von mehr als 20.000 Textilarbeiterinnen in Lawrence, Massachusetts bekannt. Seitdem gehört das Lied zur Internationalen Gewerkschaftsbewegung und zur Frauenbewegung.

Poem "Bread and roses"

As we come marching, marching in the beauty of the day,
A million darkened kitchens, a thousand mill lofts gray,
Are touched with all the radiance that a sudden sun discloses,
For the people hear us singing: "Bread and roses! Bread and roses!"
As we come marching, marching, we battle too for men,
For they are women's children, and we mother them again.
Our lives shall not be sweated from birth until life closes;
Hearts starve as well as bodies; give us bread, but give us roses!
As we come marching, marching, unnumbered women dead
Go crying through our singing their ancient cry for bread.
Small art and love and beauty their drudging spirits knew.
Yes, it is bread we fight for -- but we fight for roses, too!
As we come marching, marching, we bring the greater days.
The rising of the women means the rising of the race.
No more the drudge and idler -- ten that toil where one reposes,
But a sharing of life's glories: Bread and roses! Bread and roses!

The slogan "Bread and Roses" originated in a poem of that name by James Oppenheim, published in December 1911, which attributed it to "the women in the West." It is commonly associated with a textile strike in Lawrence, Massachusetts during January-March 1912, now often known as the "Bread and Roses strike". The slogan appeals for both fair wages and dignified conditions.

Fotoquelle 

1900 - Clara Zetkin (left), Credit: via Getty Images

Die am 5. Juli 1857 in Wiederau geborene und am 20. Juni 1933 in Archangelskoje bei Moskau verstorbene Politikerin Clara Zetkin schloss sich 1878 der Sozialdemokratie an, baute die Frauenbewegung auf und war von 1891-1917 Herausgeberin der Frauenzeitschrift "Die Gleichheit". Zetkin war Mitbegründerin des Spartakusbundes (1916) und der USPD (1917). Von 1920 bis 1933 war sie für die KPD Mitglied des Reichstages, lebte jedoch überwiegend in Moskau.  Die Sozialistin und spätere Kommunistin Clara Zetkin gilt als Initiatorin des internationalen Frauentages. Das Frauenwahlrecht war in den Anfängen die wichtigste Forderung. Eingeführt wurde es in Deutschland 1919. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in Westdeutschland keinen Frauentag. 1958 wurde die Gleichstellung von Mann und Frau im Grundgesetz festgeschrieben. Arbeiten durfte die Frau jedoch nur, wenn dadurch Kinder und Haushalt nicht zu kurz kamen. So stand es im Gesetz.-

The politician Clara Zetkin, who was born on July 5, 1857 in Wiederau and died on June 20, 1933 in Arkhangelskoje near Moscow, joined the Social Democrats in 1878, built up the women's movement and was editor of the women's magazine "Die Gleichheit" from 1891-1917. Zetkin was a co-founder of the Spartakusbund (1916) and the USPD (1917). From 1920 to 1933 she was a member of the Reichstag for the KPD, but mostly lived in Moscow. The socialist and later communist Clara Zetkin is considered to be the initiator of International Women's Day. In the beginning, women's suffrage was the most important requirement. It was introduced in Germany in 1919. After the Second World War there was no Women's Day in West Germany. In 1958, equality between men and women was enshrined in the Basic Law. However, the woman was only allowed to work if it did not neglect the children and household. So it was in the law. 

 Die BRD brauchte länger, in der DDR wurde schon am 8. März 1950 der Frauentag gefeiert / Photo: PA/dpa/ZB/Eva Richter

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist immer noch eine der zentralen Forderungen, wenn am 8. März das 100jährige Bestehen des Internationalen Frauentags gewürdigt wird. Dabei kann man nicht nur auf Siege und Niederlagen in der Frauen­politik zurückblicken, sondern auch auf die Geschichte der Frauenbewegung, die selten einheitlich war und ist. 

In der Weimarer Republik rieben sich sozialistische Arbeiterinnen an den bürgerlichen Suffragetten auf. Im Kalten Krieg war der Frauentag in der DDR die Gelegenheit für einen Betriebsausflug mit Tanz und Blumen, die den weiblichen Werktätigen in die Hände gedrückt wurden. Im Westen der Republik erschien es hingegen lange Zeit wenig opportun, sich auf die Kommunistin Clara Zetkin zu beziehen. Der Frauentag geriet in Vergessenheit und wurde erst von der zweiten Frauenbewegung in den sechziger Jahren wiederbelebt. 

Mittlerweile wird der Frauentag vor allem in einem institutionalisierten Rahmen begangen. Frauenthemen und Frauenpolitik zogen verstärkt in Institutionen und Behörden ein International betrachtet war es nicht zuletzt die deutliche Haltung der Vereinten Nationen, die dazu beitrug, dass sich der 8. März in allen Teilen der Welt als Protesttag etablieren konnte und auf seine proletarischen Wurzeln verweist. Weltweit artikulieren Gewerkschafterinnen an diesem Tag ihre Forderungen, auch wenn er schon lange nicht mehr so kämpferisch wie in früheren Zeiten und verbunden mit Massenprotesten daherkommt. Der Protest findet heute kaum mehr auf der Straße sondern im Saale statt. Dies mag daran liegen, dass inzwischen mehr Frauen politische Mandate haben und Frauenrechte anders vertreten werden können als noch vor hundert Jahren. Es birgt aber auch die Gefahr, dass der Kampf öffentlich kaum noch sichtbar wird. Der Verlust an Mobilisierungskraft für öffentliche Aktionen ist jedoch kein spezifisches Problem von Frauenorganisationen, sondern wird von Parteien und Gewerkschaften ebenfalls beklagt. Auch Öffentlichkeit über die neuen Medien herzustellen oder mit modernen Dialogformen zu experimentieren wird selbst in den hochentwickelten Ländern kaum praktiziert.

Einziges Beispiel, das auf internationalwomensday.com zu finden war: In Belgien veranstaltete die NATO eine Online-Debatte über „Frauen, Frieden und Sicherheit“. In 26 Ländern ist der Frauentag ein gesetzlicher Feiertag, darunter in einigen afrikanischen Staaten, Russland, zahlreichen GUS-Ländern und Vietnam. Blumen oder andere kleine Geschenke für die Frauen sind an diesem Tag üblich. Auch Russlands Präsident Dimitri Medwedjew verschenkte 2009 Blumensträuße an seine weiblichen Angestellten am internationalen Frauentag.-

Equal pay for equal work is still one of the central demands when the 100th anniversary of International Women's Day is celebrated on March 8th. One can not only look back on victories and defeats in women's politics, but also on the history of the women's movement, which was and is seldom uniform. In the Weimar Republic, socialist women workers and the bourgeois suffragettes were in constant argument. During the Cold War, Women's Day in the GDR was the opportunity for a company outing with dancing and flowers that were pressed into the hands of the female workers. In the west of the republic, however, it did not seem opportune for a long time to refer to the communist Clara Zetkin. Women's Day fell into oblivion and was only revived by the second women's movement in the 1960s. 

Meanwhile, Women's Day is mainly celebrated in an institutionalized setting. Women’s issues and women’s politics increasingly entered institutions and authorities. From an international perspective, it was not least the clear stance of the United Nations that contributed to the fact that March 8 was able to establish itself as a day of protest in all parts of the world and points to its proletarian roots. Trade unionists around the world articulate their demands on this day, even if it has not been as combative as in earlier times and combined with mass protests for a long time. Today the protest hardly takes place on the street anymore but in the hall. This may be because more women now have political mandates and women's rights can be represented differently than a hundred years ago. But it also harbors the risk that the struggle will hardly be visible to the public. However, the loss of mobilization power for public actions is not a specific problem for women’s organizations, but is also complained about by parties and trade unions. Creating public awareness through the new media or experimenting with modern forms of dialogue is hardly practiced, even in highly developed countries. 

The only example that could be found on internationalwomensday.com: In Belgium, NATO held an online debate on “Women, Peace and Security”. Women's Day is a public holiday in 26 countries, including some African countries, Russia, numerous CIS countries and Vietnam. Flowers or other small gifts for women are common on this day. Russian President Dimitri Medvedev also gave away bouquets of flowers to his female employees on International Women's Day in 2009.

  "Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden" -   "Freedom is always the freedom of dissenters"  , Photo: picture alliance / dpa

 


 

Und hier noch einige Meilensteine in Deutschland - A few milestones (Germany)

 

Arbeit, Beruf, Geld

Das Bürgerliche Gesetzbuch schrieb es vor: Wollte eine Frau arbeiten, musste das ihr Ehemann erlauben. Erst 1977 wurde das Gesetz geändert. Bis 1. Juli 1958 hatte der Mann, wenn es ihm beliebte, den Anstellungsvertrag der Frau nach eigenem Ermessen und ohne deren Zustimmung fristlos kündigen können.

In Bayern mussten Lehrerinnen zölibatär leben wie Priester – heirateten sie, mussten sie ihren Beruf aufgeben. Denn sie sollten entweder voll und ganz für die Erziehung fremder Kinder zur Verfügung stehen. Oder alle Zeit der Welt haben, um den eigenen Nachwuchs zu hegen.

Bis 1958 hatte der Ehemann auch das alleinige Bestimmungsrecht über Frau und Kinder inne. Auch wenn er seiner Frau erlaubte zu arbeiten, verwaltete er ihren Lohn. Das änderte sich erst schrittweise. Ohne Zustimmung des Mannes durften Frauen kein eigenes Bankkonto eröffnen, noch bis 1962. Erst nach 1969 wurde eine verheiratete Frau als geschäftsfähig angesehen.-

Work, job, money 

The civil code stipulated that if a woman wanted to work, her husband had to allow it. It was not until 1977 that the law was changed. Up until July 1, 1958, the man could, if he pleased, terminate the woman's employment contract without notice at his own discretion and without her consent. In Bavaria, teachers had to live celibacy like priests - if they got married, they had to give up their profession. Because they should either be fully available for the upbringing of children not being their own ones. Or have all the time in the world to look after their own offspring. Until 1958, the husband also had the sole right to determine over wife and children. Even when he allowed his wife to work, he administered her wages. That only changed gradually. Without the consent of the man, women were not allowed to open their own bank account until 1962. It was only after 1969 that a married woman was considered legally competent.

 

 06.06.1971 - Wir haben abgetrieben! /We've had abortions!


Der Kampf gegen den Paragraphen 218 war ein langer und erbitterter. Angeführt von der Frauenrechtlerin und Publizistin Alice Schwarzer, bekannten sich am 6. Juni 1971 im Magazin „Stern“ 374 Frauen dazu, ungewollte Schwangerschaften abgebrochen zu haben. Später outeten sich Ärztinnen, dass sie Schwangerschaften abgebrochen hatten. Unterschriften wurden gesammelt, um den politischen Druck auf den Gesetzgeber zu erhöhen. Mitte der 70er Jahre formulierte der Bundestag ein Gesetz, das straffreie Schwangerschaftsabbrüche erlaubt hätte. Das Bundesverfassungsgericht kippte die Regelung, da sie sich nicht mit dem Grundsatz des Schutzes des ungeborenen Lebens überein bringen ließ. 1992 stimmte eine überparteiliche, wenn auch knappe Mehrheit des Bundestages für das neue Schwangeren- und Familienhilfegesetz, das in seelischen Notlagen nach eingehender Beratung eine Abtreibung bis zum dritten Monat erlaubte. Die bayerische Staatsregierung ließ das Bundesverfassungsgericht prüfen – und dies erklärte Passagen für nicht mit dem Grundgesetz vereinbar. 1995 verabschiedete der Bundestag eine Variante, die dem Schutz des Lebens deutlicher Rechnung trägt und bis heute gültig ist. -

The fight against paragraph 218 was a long and bitter one. Led by the women's rights activist and publicist Alice Schwarzer, 374 women confessed to having terminated unwanted pregnancies in the magazine “Stern” on June 6, 1971. Doctors later came out that they had terminated pregnancies. Signatures were collected to increase political pressure on lawmakers. In the mid-1970s, the Bundestag drafted a law that would have allowed abortions without punishment. The Federal Constitutional Court overturned the regulation because it could not be brought into line with the principle of the protection of unborn life. In 1992, a non-partisan, albeit narrow, majority in the Bundestag voted in favor of the new Pregnancy and Family Assistance Act, which allowed an abortion up to the third month in emotional distress after detailed consultation. The Bavarian state government had the Federal Constitutional Court examined - and this declared passages to be incompatible with the Constitution. In 1995 the Bundestag passed a variant that takes the protection of life more clearly into account and is still valid today.


Vergewaltigung in der Ehe

Auch wenn Ehepaare getrennt lebten, galt der Straftatbestand der Vergewaltigung nicht, auch wenn sich ein Partner gegen den Willen des Anderen körperlich an diesem verging. Sexuelle Gewalt in der Ehe war allenfalls Körperverletzung und Nötigung. Bis 1997. In einem fraktionsübergreifenden Antrag entschied der Bundestag, dass sexuelle Gewalt auch innerhalb der Ehe strafrechtlich als Vergewaltigung bestraft werden muss. -

Marital rape  

 Even if married couples lived separately, rape was not considered a criminal offense, even if one partner physically assaulted the other against the will of the other. Sexual violence in the marriage was at best assault and coercion. Until 1997. In a cross-party motion, the Bundestag decided that sexual violence must also be punished as rape within the marriage.

 

 
Und hier zum Abschluss noch die gegenwärtige Liste der weiblichen Staatshäupter, jetzt mal ohne die Königinnen...

Female heads of states in 2011  (of 192 countries)

 Presidents: Argentina, Brazil, Costa Rica, Finland, India, Ireland, Kyrgyzstan, Liberia, Lithuania, Switzerland 

Prime Ministers: Australia, Bangladesh, Croatia, Finland, Germany, Iceland, San Marino, Slovenia, Trinidad and Tobago 

Understate Leaders: Federation of Bosnia, Åland Islands, Bermuda, St. Maarten.

 


Sources: 

- Clara Zetkin on wikipedia (engl./dt.

- Brot & Rosen - Foto, dt. Text und Hintergrund

- 100 Jahre Frauentag/ WDR Fotostrecke  

- 100.Internationaler Frauentag/tagesschau Bilderstrecke 

- Fast alles auf Anfang/Jungle World 03.03.2011 (Kendra Eckhorst zu 100 Jahre Frauentag)  

- Schwestern- Zur Geschichte des Internationalen Frauentags, pdf download - www.womensay.com

Das erste Mal:Meilensteine der Frauenemanzipation in Deutschland/focus 2011

 

 Related:

- Ilse Frapan "Wir Frauen haben kein Vaterland. Monologe einer Fledermaus"/08.03.2011 dt/engl.

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