getötet in Libyen am 20.04.2011
Photo: Odd Andersen
"Sie zeigten der Welt die Grausamkeiten des Kriegs - und haben dabei ihr Leben gelassen: Die preisgekrönten Fotografen Tim Hetherington und Chris Hondros starben in der umkämpften libyschen Stadt Misrata. Weggefährten erinnern an ihr Talent und ihre Hingabe an einen lebensgefährlichen Beruf.
Misrata/New York/London - Der Brite Tim Hetherington und der Amerikaner Chris Hondros waren mehrfach ausgezeichnete, erfahrene Kriegsfotografen. Doch die heftigen Kämpfe in der libyschen Stadt Misurata haben sie nicht überlebt. Sie starben bei einem Mörserangriff - beide wurden nur 41 Jahre alt. Freunde, Bekannte und Verwandte sind bestürzt.
Junger zeigte sich erschüttert über die Nachricht von Hetheringtons Tod. "Ich kann gar nicht ausdrücken, wie sehr mich der Tod meines lieben Freundes Tim Hetherington niederschmettert und bekümmert", schreibt er auf seiner Web-Seite. "Tim war einer der mutigsten und charakterfestesten Journalisten, die ich jemals gekannt habe. Das Gute, das er getan hat - mit seiner Kamera und einfach als Person, die sich einiger der verwüsteten Länder der Welt angenommen hat - kann nicht ermessen werden. Ich kann nicht glauben, dass er wirklich von uns gegangen ist."
"Dann erklärten sie ihn für tot"
"Wir werden ihn vermissen", schreib Hetheringtons Familie in einer kurzen Erklärung. Der Fotograf habe an einem Multimedia-Projekt für die Zeitschrift "Vanity Fair" gearbeitet. Auch der Chefredakteur des Magazins zeigte sich erschüttert über den Tod des Kollegen in der umkämpften Stadt. "Aber er lebte dafür. Diese Dinge entmutigten ihn nicht. Sie belebten ihn, und sie haben sein Leben genommen."
Hetherington und Hondros waren gemeinsam mit zwei weiteren Kollegen unterwegs: den Fotografen Guy Martin und Michael Brown. Sie wurden bei der Attacke verletzt. Einem Arzt zufolge ist der Zustand von Martin noch nicht stabil, er hatte wegen einer Bauchwunde stark geblutet. Browns Leben sei nicht gefährdet, wenngleich er an der Schulter operiert werden musste. Die Journalisten hatten offenbar eine Gruppe Rebellen in der Nähe der Frontlinie begleitet. Misurata wird seit Wochen von Truppen des Gaddafi-Regimes belagert. Immer wieder gerät die Stadt unter Beschuss.
Der Journalist André Liohn beobachtete die Attacke auf die Fotografen. Lionh sagte der "New York Times", Hetherington habe bei dem Angriff viel Blut verloren. Eine Viertelstunde hätten Ärzte versucht, ihn wiederzubeleben. "Dann erklärten sie ihn für tot."

Tim Hetherington wenige Stunden vor seinem Tod in Misrata/Quelle:Spiegel
Gedenken an einen mutigen Freund
Sein Kollege Hondros wurde schwer am Kopf verletzt. Er war nach dem Angriff bewusstlos, zweimal sei er wiederbelebt worden, berichtete Lionh. Doch kurz nach 22 Uhr sei er gestorben.
Hondros hinterlässt einen dreijährigen Sohn, offenbar wollte er bald heiraten. Seit gut 20 Jahren berichtete er von den Krisengebieten der Welt, seine Fotoreportagen erschienen etwa in der "New York Times", der "Washington Post" und dem "Economist". Der 41-Jährige hatte nach eigenen Angaben deutsche Wurzeln, seine Eltern kommen aus Deutschland und Griechenland. Der New Yorker erhielt zahlreiche Auszeichnungen für seine Aufnahmen, unter anderem war er 2004 für den Pulitzer-Preis nominiert, 2006 gewann er mit der Robert Capa Gold Medal einen der wichtigsten Fotografiepreise für Reportagen.
Die "New York Times" hat eine Auswahl seiner besten Bilder zusammengestellt - die Galerie reicht von Fotos der Kamele auf dem ägyptischen Tahrir-Platz über ein weinendes Kind im Irak bis zu brutalen Gefechtsbildern in Liberia.
Auch der Fotograf Tyler Hicks, der oft mit ihm zusammengearbeitet hatte, erinnerte an Hondros: "Chris hat in seinem eigenen Leben Opfer gebracht, um der Öffentlichkeit die Härten des Kriegs zu zeigen, und diese Hingabe hat preisgekrönte Fotografien hervorgebracht, die den Blick vieler Menschen auf die Welt beeinflusst haben." Fast 20 Jahre sei Hondros ihm ein guter Freund gewesen. "Ich bin dankbar, zu denen zu gehören, die das Glück hatten, ihn gekannt zu haben."
"Chris ist niemals vor der Frontlinie zurückgeschreckt, er hat im Lauf seiner bedeutenden Karriere über die größten Konflikte dieser Welt berichtet, und seine Arbeit in Libyen war keine Ausnahme", schrieb Hondros' Auftraggeber Getty Images über seinen Tod. "Er wird schmerzlich vermisst werden." ( Quelle:Spiegel sowie gut ausgewählte Fotostrecke)
Chris Hondros am 18.04.2011 in Libyen/Getty Image
Please read full article:
- The last witnesses/Newsweek 25.04.2011
Photo work of Tim Hetherington & Chris Hondros can be found at:
- New York Times Lens
- Parting glance Chris Hondros
- Parting glance Tim Hetherington
-A Collection of Tim Hetherington's Work A Collection of Chris Hondros's Work "Since 1992, 861 journalists have been killed in the field, according to the Committee to Protect Journalists. The worst years were 2006 and 2007, when more than 200 journalists died, most of them in Iraq. ...Of the 21 media deaths so far this year, almost half were photographers or cameramen, many of them freelancers." (from: "The Last Witnesses")


