Sonntag, 27. September 2026

In Memory of Christina Thürmer-Rohr: Waltraud Schwab: " Keine Luftbrücken bitte!" - "No Bridges Built of Thin Air, please!"

Gestern früh fand ich Waltraud  Schwabs Text zur Erinnerung an Christina Thürmer-Rohr. Sie hat mir gestattet, ihn hier zu veröffentlichen und ihn auch auf Englisch einzustellen. Waltraud Schwab ist Journalistin, Autorin und Dozentin. 

Yesterday morning, I came across Waltraud Schwab’s piece commemorating Christina Thürmer-Rohr. She has given me permission to publish it here and to post an English version as well. For the English version please scroll down. Waltraud Schwab is a journalist, author, and lecturer.



Christina Thürmer-Rohr

 

Keine Luftbrücken bitte!
24. September 2026 · by Waltraud Schwab 


Am 10. September 2026, zwei Monate vor ihrem 90. Geburtstag, starb die Sozialwissenschaftlerin, feministische Theoretikerin und Musikerin Christina Thürmer-Rohr. Für die Frauenbewegung, die in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts aufkam, war sie Impulsgeberin mit Eigensinn. Diesen bisher unveröffentlichten Text habe ich anlässlich ihres 70. Geburtstags geschrieben. Ich stelle ihn gekürzt und aktualisiert hier ein.

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In der Wohnung von Christina Thürmer-Rohr gibt es Salons und Arbeitsräume. In einem stehen zwei Flügel. In einem anderen steht eine Orgel, in den verbliebenen zwei Zimmern gibt es wändelang Bücher. Natürlich kommt der Computer dazu. Auf seinen winzigen Chips läuft alles zusammen, dem sich Thürmer-Rohr verschrieben hat: der Musik, dem Denken, Reden, Schreiben. Zwischen den Räumen liegt zudem die Küche. Dort trifft sie sich mit ihre Lebensgefährtin, der Musikerin Laura Gallati, dort werden Freundinnen und Gäste bewirtet.

Heute, an ihrem 70. Geburtstag, allerdings nicht. Die Professorin möchte nicht gefeiert werden. „70 sei zu sehr die Zahl des Erinnerns“, sagt sie. Sie hingegen misstraue der subversiven Kraft des Gedächtnisses, das aus einem brüchigen Leben ein Ganzes machen will. „Anlässlich eines solchen Geburtstages wird gekittet und geleimt, da werden Luftbrücken gebaut, da wird zusammengebastelt, was in Wirklichkeit niemals hält.“

Je länger Thürmer-Rohr ihrer Abneigung freien Lauf lässt, desto deutlicher wird sie: Was bringe es, Kinderbilder rauszukramen, Lebensgeschichten Revue passieren zu lassen, wenn es einzig mit der Absicht geschehe, eine Kontinuität zu konstruieren, die nur der Eitelkeit geschuldet sei, fragt sie. „Alles in der Hoffnung, so etwas wie Identität dabei herauszuschälen.“ Das sei wie einen Punkt setzen. In ihrem Leben aber gehe es nicht um Punkte, es geht um Gedankenstriche, um Veränderung. Was sie im Umkehrschluss sagt: Wer also ein Porträt von ihr machen will, muss zwangsläufig scheitern.

Thürmer-Rohr ist Pädagogikprofessorin. Aber sie war auch 68erin, war zudem Stadtplanerin, war von 1977 bis 1983 neben ihrer Arbeit an der Universität auch Rockmusikerin in der Frauenband „Außerhalb“, und ganz früher Existenzialistin. Jean Paul Sartre, Juliette Gréco waren Vorbilder damals. Mit schwarz geschminkten Augen, in engen Röcken und zehn Zentimeter hohen Absatzschuhen sei sie in der Freiburger Studentenzeit in den 50er Jahren herumgelaufen. Ohnehin fast 1,80 groß habe sie mit ihren Schuhen all ihre Kommilitonen, überragt. „Es ging um Wahrnehmung, es ging um die Regie über mein Leben.“

Ihre Art, sich zu geben, ist ein provozierendes Gegenkonzept zum Frauenbild, das in den 50er Jahren galt. Damals wurde Frauen „Heim und Herd“ als Bestimmung mit allen Mitteln wieder schmackhaft gemacht. Dies, obwohl sie doch im Krieg gelernt hatten, sämtliche Aufgaben an der Heimatfront zu bewältigen. Die ehemaligen deutschen Soldaten und Heimkehrer aus Gefangenschaften, deren Egos zertrümmert waren, sollten die von den Frauen übernommenen Aufgaben zurückbekommen. Denn gesellschaftliche Arbeit zieht – im Gegensatz zur privaten – gesellschaftliche Wertschätzung nach sich.

Wenn Thürmer-Rohr von ihren damaligen Kommilitonen erzählt, die fast alle ehemalige Kriegssoldaten und zehn Jahre älter gewesen seien als sie, wirkt das, als sei ihr Uni-Universum mit in sich gekehrten Gestalten bevölkert, die anfangs immer Theologie studierten, später aber zu Psychologie wechselten. Ihr erster Freund sei auch so einer gewesen. „Mit 14 noch in den Krieg. Mit 15 in russischer Gefangenschaft.“ Sie sei angezogen gewesen von diesen abgestürzten Soldatenkarrieren, dieser Mischung aus Entsetzen, Geheimnis und Sprachlosigkeit.

Während ihres Philosophie- und Psychologiestudiums in Freiburg und in Heidelberg sei sie, wie oft in ihrem Leben, nahezu die einzige Frau gewesen. Sie hat die Abwesenheit der Geschlechtsgenossinnen als Mangel erkannt. Als die Frauenbewegung in den 70er Jahren wuchs, war sie eine derjenigen, die schnell verstand, wie bedeutsam dieser gesellschaftliche Aufbruch war. Ab 1976 unterrichtete sie an der Pädagogischen Hochschule in Berlin und gründete den Studienschwerpunkt „Frauenforschung“, engagierte sich im Verein zum Schutz misshandelter Frauen, wechselte 1980 an die Technische Hochschule, wo sie den Fachbereich Erziehungswissenschaften aufbaute und Studien in Feministischer Theorie, Menschenrechte und Erinnerungskultur forcierte. Es gibt nicht viele Frauen, die sich, wie sie, seit damals Feministin nennen, ohne dass ihr etwas Gestriges anhängt wird.

Das heißt nicht, dass man ihre Leistungen nicht dennoch zunichte machen kann. Der Fachbereich Erziehungswissenschaften an der Technischen Universität in Berlin, wurde 2003 abgewickelt. Vor kurzem wurde die emeritierte Professorin gebeten, auch ihr Arbeitszimmer an der Uni, das ihr auf Lebenszeit zusteht, zu räumen. Da es ihren Fachbereich nicht mehr gibt, ist die Universität nicht verpflichtet, die dort gesammelten Diplomarbeiten einer ganzen Generation von Studentinnen zu archivieren. „Die Arbeit von 30 Jahren wird vernichtet.“

Thürmer–Rohr ist anerkannt, weil sie unberechenbar ist. In einem feministischen Status Quo hat sie sich nie eingerichtet. Ihre Triebfeder sei Veränderung, betont sie immer wieder. Als das Patriarchat durch die Frauenbewegung auf den Prüfstand kam und Männer in einem Akt der Vereinfachung als Täter, Frauen als Opfer da standen, war es Thürmer-Rohr, die die Gegenthese dazu auf die deutsche Befindlichkeit herunterbrach: Frauen sind auch Täterinnen. Und Mittäterinnen. Dies zwinge unter anderem auch zu einer ganz anderen Lesart und Ursachenforschung des Nationalsozialismus.

Anfeindungen, die ihr mit diesem und anderen Tabubrüchen ins Haus kommen, steckt sie, so scheint es, weg. Thürmer-Rohr wirkt kühl und kühn. Hinter ihren rabenschwarz gefärbten, in die Stirn fallenden Haaren und der dunkel gerandeten Brille versteckt sie ihrevAugen. Laura Gallati, die aus der Schweiz stammende Pianistin und Komponistin, mit der sie schon viele Jahre zusammenlebt und zusammenarbeitet, werde von allen umarmt. Sie aber bekomme lediglich die Hand hingestreckt. Wer auf Thürmer-Rohr trifft, kommt zuerst in ihrem Kopf an. Dabei indes muss es nicht bleiben.

Denn Veränderung ist das Leitmotiv, auf das sie besteht. Der Gedanke, „dass Nichts so bleiben muss, wie es ist“, habe sie geprägt. Wenn eine wie Thürmer-Rohr, deren erste neun Lebensjahre vom Lärm des Nationalsozialismus und Krieg übertönt waren, das sagt, liegt die Frage auf der Hand. Warum?

An der Stelle beginnt sie, von ihrem Vater zu erzählen. Er war Pfarrer und überzeugter Nazi. Sie habe sich radikal von ihm getrennt. Sie habe ihn abgespalten, abgetrieben, abgeschrieben. Gut, es war leicht, er starb 1941 beim Frankreichfeldzug. Seither sei sie seiner Körperlichkeit entbunden. Ob sie ihn ansonsten losgeworden ist, sei eine Frage der Interpretation. Alles, was sie von ihm habe, seien herzzerreißende Briefe aus dem Krieg, adressiert an sie und ihre fünf Jahre ältere Schwester. „Darin erzählt er von seiner unerschütterlichen Liebe zu seinen Töchtern und den großen Ideen, für die er sterben will.“

Das Trio – Mutter, Schwester und sie – sei durch die Abwesenheit des Vaters zusammengeschweißt worden. Allerdings soll die Mutter dem Überlebenskampf im Krieg kaum gewachsen gewesen sein. Hunger, Angst, Dunkelheit, Feuer, Kälte, Tiefflieger, Bomben, Totenstarre.

Nach dem Krieg holte der Großvater, der Diakon in Bethel war, den Drei-Frauen-Haushalt in die, einen ganzen Stadtteil von Bielefeld umfassende, Krankenanstalt. Dort war er, da Anti-Nazi, als Bürgermeister eingesetzt. Ob Bethel damals für ein Kind eine Veränderung zum Besseren war, bleibt unklar. Vorwiegend Menschen mit dem Down-Syndrom und Epileptiker, lebten dort, erzählt Thürmer-Rohr. Da es nach dem Krieg keine Medikamente gab, konnten die Kranken überall ihre Anfälle bekommen: auf der Straße, in der Kirche, beim Bäcker, in der Schule. Außerdem wurden in Bethel viele Kriegsversehrte aufgenommen. Menschen ohne Unterkörper, die sich auf einem Brett mit Rollen fortbewegten, Soldaten mit halb weggeschossenen Gesichtern. „Ohne Nase oder nur noch mit Höhlen, wo die Augen waren.“ Im religiös geprägten Ort sei dazu ein Mix aus Schuld und Sündhaftigkeit gepredigt worden. „Man ahnte nur ein furchtbares Grauen, ein diffuse Angst, die einen nicht qualifizierte, das Leben mit Freude anzupacken.“ Einziger Lichtblick: Mit 13 Jahren nahm der Organist der Betheler Kirche Thürmer-Rohr als Schülerin an. „Ich wollte was Besonderes. Ich war nicht einfach eine widerborstige, graue Maus. Ich habe mir Bereiche gesucht, wo ich expansiv war, groß und öffentlich.“

„Eigentlich müsste ich dankbar sein“, sagt Thürmer-Rohr. Wie wenigen Frauen nur in Deutschland seien ihr immer alle Türen offen gestanden. Dass sie Orgel spielen, dass sie studieren konnte, obwohl die Familie arm war, dass sie promovieren konnte, dass ihr die Stellen an den Universitäten angetragen wurden, dass sie sich aussuchen konnte, was sie tun will. Dass sie ihre Meinung sagen kann, öffentlich. Dass sie gehört wird selbst mit unangenehmen Ideen.

Thürmer-Rohr weiß um die Ausgrenzung des weiblichen Denkens. Sie hat sich in ihren Schriften immer wieder damit beschäftigt. Weil es ihr jedoch um Veränderung, nicht um Stillstand geht, hat sie sich auch mit Marxismus und politischer Ethik, mit Globalisierung und Demokratie, mit Nationalsozialismus und Freiheit auseinandergesetzt. Und seit der Wiedervereinigung, die doch etwas zusammenführen soll, beschäftigt sie sich mit dem, was Menschen auseinandertreibt, der Widervereinigung also. Den Dialog zwischen beiden Extremen sucht sie seither.

Bleibt noch Freundschaft und Liebe. Bei einer, die Veränderung konsequent lebt, gibt es auch da genug Brüche.„Ich habe mir kein Netzwerk gebaut. Und ich habe Menschen auch verloren.“ Als sie sich zum ersten Mal in eine Frau verliebt, hat sie den Sohn gepackt und den Mann verlassen. Weitere Dissonanzen im Denken und Handeln folgten. „Man muss sehr gut zu sich sein, um sich verzeihen zu können, für das, was man gedacht und gesagt hat. Dann gibt es Tage, an denen man sich nicht verzeihen kann.“ Ihre Aufgabe sei es, dennoch den Grundakkord in ihrem Leben zu finden, um den, wie in der Fuge, alles Denken, alle Widersprüche, alles Unfertige kreist.

An der Stelle kommen Laura Gallati, Johann Sebastian Bach und Hannah Arendt ins Spiel. Mit Gallati, der Lebensgefährtin, der vom Ungehörten faszinierten Musikerin, der am Experiment geschulten Pianistin – kann Thürmer-Rohr in einen Dialog treten. Wenn jede dabei an ihrem Flügel sitzt und gegen die andere ankämpft, bis sie Harmonien finden in einem Motiv, ist Dialog nah.

Vor zehn Jahren haben die beiden entdeckt, dass Bachs Kunst der Fuge und Arendts „Übungen im politischen Denken“ im Grunde dasselbe wollen wie sie: Am Thema bleiben. Nach Wesentlichem suchen. Auf Wesentlichem bestehen. In Verständigung treten. Seither suchen sie nach einer Synthese zwischen unserer Gegenwart und deren Vergangenheit, zwischen Philosophie und Musik.

Und zwischen dem, wie ein Leben sein kann und dem, wie es ist.

 

  

 Laura Gallati and Christina Thürmer-Rohr, source

 

"No Bridges Built of Thin Air, please!"

September 24, 2026 · by Waltraud Schwab 

 

On September 10, 2026—two months before her 90th birthday—, social scientist, feminist theorist, and musician Christina Thürmer-Rohr passed away. She was a spirited and independent driving force within the women's movement that emerged in the 1970s. I wrote this previously unpublished text on the occasion of her 70th birthday. I am posting an abridged and updated version here.

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Christina Thürmer-Rohr's apartment consists of salons and workspaces. In one room stands two grand pianos. In another is an organ, and in the remaining two rooms, books line the walls from floor to ceiling. Naturally, the computer completes the scene. On its tiny chips, everything Thürmer-Rohr dedicated herself to converges: music, thinking, speaking, writing. The kitchen lies between these rooms. That is where she meets with her partner, the musician Laura Gallati, and where female friends and guests are entertained.

Not today, however, on her 70th birthday. The professor does not wish to celebrate. "70 is too much a number of remembering," she says. She, on the other hand, distrusts the subversive power of memory, which which seeks to turn a fragile life into a cohesive whole. "On the occasion of such a birthday, things are cemented and glued together, bridges are built out of thin air, and things are cobbled together that, in reality, would never hold.“

The longer Thürmer-Rohr gives free rein to her aversion, the more explicit she becomes: What is the point, she asks, of digging out childhood photos and reviewing life stories, if it is done solely with the intention of constructing a continuity that is nothing more than born out of vanity? " "All in the hope of peeling away the layers to reveal something like an identity." That, she explains, is like placing a period. In her life, however, it is not about periods; it is about dashes, about change. Conversely, what she is saying is: anyone who attempts to create a portrait of her is bound to fail.

Thürmer-Rohr is a professor of education. But she was also a '68er, worked as an urban planner, and from 1977 to 1983—alongside her university tenure—played rock music as a member of the all-female band "Außerhalb" (Outside). Long before that, she was an existentialist. Jean-Paul Sartre and Juliette Gréco were her icons back then. During her student days in Freiburg in the 1950s, she would walk around with heavily lined eyes, wearing tight skirts and and ten-centimeter high heels. Standing nearly 1.80 meters tall anyway, her shoes made her tower over all her male classmates. "It was about perception," she says. "It was about directing my own life."

Her way of presenting herself was a provocative counter-concept to the image of women that prevailed in the 1950s. Back then, "home and hearth" was aggressively repackaged as women's true destiny—despite the fact that they had learned during the war to handle all tasks on the home front. The former German soldiers returning from captivity with shattered egos were meant to reclaim the roles that women had taken over. After all, public labor—unlike private labor—brings with it societal recognition.

When Thürmer-Rohr talks about her fellow students at the time, almost all of whom were former soldiers and ten years older than her, it feels as though her university universe was populated by introverted figures who always started out studying theology but later switched to psychology. Her first boyfriend was one of them, too. "Off to war at 14. In Russian captivity at 15." She was drawn to these crashed soldier careers, to this mixture of horror, mystery, and speechlessness. 

During her studies of philosophy and psychology in Freiburg and Heidelberg, she was—as so often in her life—almost the only woman. She recognized the absence of her female peers as a deficiency. As the women's movement grew in the 1970s, she was one of those who quickly understood how significant this societal awakening was. From 1976, she taught at the College of Education in Berlin and founded the focus area "Women's Studies." She was actively involved in the Association for the Protection of Battered Women, and in 1980 she moved to the Technical University, where she established the Department of Education and promoted studies in Feminist Theory, Human Rights, and the Culture of Remembrance. There are not many women who, like her, have called themselves feminists since that time without having something old-fashioned attached to them.

This does not mean, however, that her achievements cannot still be undone. The Department of Educational Sciences at the Technical University in Berlin was liquidated in 2003. Recently, the professor emerita was asked to vacate her university office, which she is entitled to for life. Since her department no longer exists, the university is under no obligation to archive the theses collected there from an entire generation of female students. "Thirty years of work are being destroyed."

Thürmer-Rohr is recognized because she is unpredictable. She has never settled into a feminist status quo. Her driving force is change, she emphasizes again and again. When the patriarchy was put to the test by the women's movement and men stood there as perpetrators and women as victims in an act of simplification, it was Thürmer-Rohr who broke down the counter-thesis for the German consciousness:  Women are also perpetrators. And accomplices. Among other things, this forces a completely different interpretation and analysis of the root causes of National Socialism.

She shrugs off the hostility that comes her way due to this and other broken taboos, or so it seems. Thürmer-Rohr comes across as cool and bold. She hides her eyes behind jet-black dyed hair that falls into her forehead and dark-rimmed glasses. Laura Gallati, the Swiss pianist and composer with whom she has lived and collaborated for many years, gets embraced by everyone. She, on the other hand, is only offered a handshake. When you meet Thürmer-Rohr, you arrive in her mind first. However, it does not have to stop there. 

For change is the leitmotif she insists upon. The thought “that nothing has to remain as it is” shaped her. When someone like Thürmer-Rohr, whose first nine years of life were drowned out by the noise of National Socialism and war, says this, the question is obvious. Why?

At this point, she begins to talk about her father. He was a pastor and a staunch Nazi. She cut herself off from him radically. She split him off, cast him out, wrote him off. Granted, it was easy; he died in 1941 during the French campaign. Since then, she has been released from his physical presence. Whether she got rid of him otherwise is a matter of interpretation. All she has of him are heartbreaking letters from the war, addressed to her and her sister, who is five years older. "In them, he speaks of his unwavering love for his daughters and the grand ideas he is willing to die for."

The trio—mother, sister, and herself—was welded together by the father's absence. However, her mother was said to be barely able to cope with the struggle for survival during the war. Hunger, fear, darkness, fire, cold, low-flying aircraft, bombs, rigor mortis. 

After the war, her grandfather, who was a deacon in Bethel, brought the three-woman household to the hospital colony, which spanned an entire district of Bielefeld. Because he was an anti-Nazi, he had been appointed mayor there. Whether Bethel was a change for the better for a child at that time remains unclear. Mostly people with Down syndrome and epileptics lived there, Thürmer-Rohr recounts. Since there was no medication after the war, the patients could have their seizures anywhere: on the street, in church, at the bakery, at school. In addition, many war- disabled veterans were taken in at Bethel. Men with no lower bodies who moved around on a wheeled board, soldiers with half their faces shot away. "Without a nose, or with only hollows where the eyes used to be." In this religiously shaped place, a mix of guilt and sinfulness was preached on top of that. "One only sensed a terrible horror, a diffuse anxiety that didn’t qualify you to embrace life with joy." The only ray of hope: at the age of 13, the organist of the Bethel church took Thürmer-Rohr on as a student. "I wanted something special. I wasn't just a defiant, gray mouse. I looked for areas where I could be expansive, big, and public." 

 “Actually, I ought to be grateful,” says Thürmer-Rohr. Like few women in Germany, all doors had always been open to her. The fact that she could play the organ, that she could study even though her family was poor, that she could complete her doctorate, that university positions were offered to her, that she could choose what she wanted to do. That she can speak her mind, publicly. That she is listened to, even with uncomfortable ideas.

Thürmer-Rohr is well aware of the exclusion of female thought. She has addressed it repeatedly in her writings. However, because she is concerned with change rather than stagnation, she has also engaged with Marxism and political ethics, with globalization and democracy, with National Socialism and freedom. And since German reunification, which was supposed to bring something together after all, she has been exploring what drives people apart—the dis-unification, as it were. Since then, she has been seeking a dialogue between these two extremes.

What leaves friendship and love. For someone who lives change so consistently, there are plenty of ruptures here as well. “I haven’t built myself a network. And I have lost people, too.” When she fell in love with a woman for the first time, she packed up her son and left her husband. Further dissonances in thinking and acting followed. “You have to be very good to yourself to be able to forgive yourself for what you have thought and said. Then there are days when you cannot forgive yourself.” Her task, she says, is nonetheless to find the fundamental chord in her life around which—as in a fugue—all thinking, all contradictions, and everything unfinished revolve.

This is where Laura Gallati, Johann Sebastian Bach, and Hannah Arendt come into play. With Gallati—her partner, a musician fascinated by the unheard, a pianist trained in experimentation—Thürmer-Rohr can enter into a dialogue. When both sit at their respective grand pianos, wrestling against the other until they find harmonies within a motif, dialogue is close at hand.

Ten years ago, the two discovered that Bach’s The Art of Fugue and Arendt’s Between Past and Future (Exercises in Political Thought) essentially want the same thing they do: to stay on topic. To search for the essential. To insist on the essential. To reach an understanding. Since then, they have been searching for a synthesis between our present and their past, between philosophy and music.

And between how a life can be, and how it is.

 

Original text in German/here:

-  Keine Luftbrücken bitte!/Waltraud Schwab 24.09.2026

 

Articles related to Christina Thürmer-Rohr & Laura Gallati by Waltraud Schwab:

-  Mit Metall, Glas und Wolle in den Flügel/ TAZ, Waltraud Schwab 23.06.1999

-  Herrschaft ist Bluff/ TAZ, Waltraud Schwab 05.03.2005

 

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