Heute wird Desmond Tutu beerdigt, der am 26.Dezember im Alter von 90 Jahren verstorben ist.
Zu seinem Gedenken hier ein Artikel, den ich in der dt. Tageszeitung TAZ gefunden habe, und der mir gut gefiel, auch weil die Bedeutung Trevor Huddlestons erwähnt wurde. -
Today, Desmond Tutu, who passed away on December 26th at the age of 90, is being buried.
In his memory, here is an article I found in the German daily newspaper TAZ, which I enjoyed, particularly because it mentioned the importance of Trevor Huddleston.
Trevor Huddleston
Südafrikas moralischer Wächter
Desmond Tutu war während der Apartheid Südafrikas prominenteste schwarze Stimme in Freiheit. Nun ist er im Alter von 90 Jahren gestorben.Er war der letzte der großen Helden Südafrikas, die dem Kampf gegen Apartheid eine weltweit geachtete moralische Statur verliehen. Der Tod von Erzbischof Desmond Tutu am 26. Dezember in Kapstadt im Alter von 90 Jahren ist, wie es Präsident Cyril Ramaphosa in seiner Trauerbotschaft sagt, „ein weiteres Kapitel des Verlustes im Abschied unserer Nation von einer Generation herausragender Südafrikaner, die uns ein befreites Südafrika hinterlassen haben.“ Lindiwe Sisulu, Tochter des 2003 verstorbenen Mandela-Mitstreiters Walter Sisulu, drückt es einfacher aus: „Er hat den Lauf der Geschichte verändert, twittert sie. „Er lehrte uns die Kraft von Frieden und Versöhnung.“
Während Nelson Mandela, Walter Sisulu und die anderen Führer des verbotenen Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) auf der Gefängnisinsel Robben Island weggesperrt waren, war Tutu die prominenteste öffentliche Stimme des schwarzen Widerstandes gegen die weiße Minderheitenherrschaft und den rassistischen Alltagsterror. Für den weißen Präsidenten P.W. Botha war er der „Volksfeind Nummer eins“. Für Südafrikas Schwarze war er der Inbegriff von Furchtlosigkeit.
In seinen Bischofsroben führte er illegale Protestmärsche von Zehntausenden an und sprach auf den gigantischen, ebenfalls illegalen Trauerfeiern getöteter Widerständler. „Würde Christus heute nach Südafrika zurückkehren, würde man ihn sicher unter den Sicherheitsgesetzen festnehmen, wegen seiner Sorge um die Armen, die Hungrigen und die Unterdrückten“, predigte er. Auf der Beerdigung des 1977 ermordeten Antiapartheidaktivisten Stephen Biko predigte er: „Betet für die Herrschenden in diesem Land, für die Polizei, vor allem die Sicherheitspolizei und die im Gefängnisdienst, auf dass sie begreifen, dass auch sie Menschen sind.“
Es waren solche Worte, die Tutu für das Apartheid-Terrorregime so gefährlich machten: Er ließ sich nicht in die Terror- und Kommunismus-Ecke drängen, er hatte mit Gewalt nichts zu schaffen, er wandte den christlichen Glauben gegen ein Regime, das sich selbst für eine christliche Bastion in Afrika hielt. Er machte den Menschen Mut, indem er selbst mutig war. 1984 erhielt er den Friedensnobelpreis und trat dafür ein, das weiße Südafrika mit scharfen Sanktionen in die Knie zu zwingen.
Vielleicht wäre das alles nie geschehen, wenn ein großes weißes Vorbild nicht die Türen geöffnet hätte. Der britische weiße anglikanische Priester Trevor Huddleston, seit 1943 in Johannesburg tätig, öffnete Schwarzen das Priesterseminar und eine damit verbundene Oberschule, auf die auch der 1931 als Sohn eines Lehrers und einer Putzfrau geborene, in der Kindheit an Polio erkrankte Desmond ging.
Trevor Huddleston
Tutu erinnerte sich später an das prägende Erlebnis, dass der Weiße Huddleston vor seiner schwarzen Mutter den Hut zog – so was hatten sie noch nie erlebt. Bei der Priesterausbildung in London erfuhr Tutu in den 1960er Jahren zum ersten Mal, wie Gleichberechtigung aussieht: Polizisten sprachen höflich mit ihm, in Warteschlangen drängelten sich Weiße nicht vor ihn, er konnte Konzerte besuchen.
Als Tutu 1967 in die Heimat zurückkehrte, war sein weiterer Weg klar. Er stieg in der weiß dominierten, aber mit der Apartheid nicht einverstandenen anglikanischen Kirche auf und wurde der erste schwarze Dekan der Kathedrale von Johannesburg, Generalsekretär des Kirchenrates des Südlichen Afrika und schließlich 1986 Erzbischof von Kapstadt. Das machte ihn zur mächtigsten weltweit gehörten schwarzen Stimme Südafrikas in den letzten Jahren der Apartheid, bevor 1990 Nelson Mandela freikam.
Sein tiefer Glaube war die Grundlage seiner Unerschrockenheit. Der Mensch, predigte Erzbischof Tutu, ist der Agent Gottes auf Erden und seine Aufgabe ist es, Gutes und Richtiges zu tun. Das begründet für ihn die Legitimität von Widerstand gegen Unrecht und die Solidarität mit Opfern von Unterdrückung, wie es eines seiner bekanntesten Zitate formuliert: „Wenn du gegenüber Ungerechtigkeit neutral bist, hast du die Partei des Unterdrückers ergriffen. Wenn ein Elefant auf einem Mäuseschwanz steht und du sagst, du bist neutral, wird die Maus deine Neutralität nicht schätzen.“
Tutu soll für das „neue Südafrika“ den Begriff „Regenbogennation“ erfunden haben. Südafrikanische Medien korrigieren: Auf der Beerdigung des 1993 von einem weißen Rechtsextremisten ermordeten schwarzen Kommunistenführers Chris Hani, als die Überwindung der Apartheid in einen Bürgerkrieg umzukippen drohte, predigte der Erzbischof: „Wir sind das Regenbogenvolk Gottes. Wir marschieren in die Freiheit, Schwarz und Weiß gemeinsam“.
Nach Südafrikas ersten allgemeinen Wahlen 1994, als Mandela Präsident wurde, leitete Desmond Tutu die Wahrheits- und Versöhnungskommission (TRC), die Verbrechen während der Apartheidzeit aufarbeitete. In dieser Funktion erlebte ihn Südafrikas Öffentlichkeit als die moralische Stimme, die er während der Apartheid international gewesen war.
Er litt da schon an Prostatakrebs, aber auch nach Ende der TRC-Arbeit 1998 bereiste er unermüdlich die Welt und übte Solidarität mit anderen Unterdrückten, von Aung San Suu Kyi in Myanmar bis zu den Palästinensern unter der israelischen Besatzung, die er als Apartheid bezeichnete.
Desmond Tutu with his wife Nomalizo Leah Tutu (DB 14.10.1933) who he married in 1955.
She was an activist too.
2010 zog sich der mittlerweile 79-jährige Tutu ins Privatleben zurück. Er wolle nicht mehr den Großteil seiner Zeit in Hotels und Flughäfen verbringen, sondern im Kreis der Familie „lesen und schreiben, beten und denken“, sagte er. Aber ganz verstummte er nie. Er wurde ein scharfer Kritiker von Korruption und Machtmissbrauch im ANC und erklärte sogar, er könne die alte Befreiungsbewegung nicht mehr wählen.
Bis zum Schluss blieb Tutu der ständige Mahner, der Südafrika aufforderte, „das Richtige zu tun“, wie er es ausdrückte – zum Beispiel sich gegen Covid-19 impfen zu lassen.
Aber in Erinnerung bleibt Desmond Tutu seinem Land nicht einfach als Prediger. Südafrika liebt ihn vor allem wegen seines Mutes, seiner Zuversicht und vor allem wegen seines Humors, südafrikanisch derb und oft unübersetzbar. Sein Tanzen in violetten Bischofsroben ist legendär geworden, sein lautes, ansteckendes, kicherndes Lachen, seine oft anzüglichen Sprüche.
Um einen Nobelpreis zu bekommen, erklärte er einmal einem Kind, muss man „einen einfachen Namen haben, Tutu zum Beispiel, eine große Nase und sexy Beine“. Als er in hohem Alter ein Kinderbuch veröffentlichte, erklärte er bei der Buchvorstellung, wie er sich seinen Tod vorstellt: Er klopft beim Himmel an, aber Petrus weist ihn ab und schickt ihn an „einen wärmeren Ort“; nach ein paar Tagen kommt Satan zu Petrus und bittet um Schutz für sich selbst vor seinem Neuzugang in der Hölle.
Jetzt wird Südafrika gespannt sein, wie das wirklich ausgeht. Tutu starb friedlich zu Hause um 7 Uhr am Sonntagmorgen, gab seine Familie bekannt. Das Land hat mit ihm eine unersetzliche Autorität verloren, wie Präsident Ramaphosas Trauerbotschaft anerkennt: „Möge seine Seele in Frieden ruhen, aber sein Geist über die Zukunft unserer Nation wachen.“
South Africa's moral guardian Desmond Tutu was South Africa's most prominent black voice in freedom during apartheid. Now he has died at the age of 90.
He was the last of the great heroes of South Africa who gave the struggle against apartheid a moral stature that was respected worldwide. The death of Archbishop Desmond Tutu on December 26th in Cape Town at the age of 90 is, as President Cyril Ramaphosa said in his funeral message, “another chapter of loss in our nation's departure from a generation of outstanding South Africans who made us a liberated South Africa Lindiwe Sisulu, daughter of Mandela colleague Walter Sisulu, who died in 2003, puts it more simply: "He changed the course of history," she tweeted. "He taught us the power of peace and reconciliation."
While Nelson Mandela, Walter Sisulu and the other leaders of the banned African National Congress (ANC) were locked away on the prison island Robben Island, Tutu was the most prominent public voice of the black resistance against white minority rule and everyday racist terror. For the white President P.W. Botha he was the "number one enemy of the people". For South Africa's blacks, he was the epitome of fearlessness.
In his bishop's robes he led tens of thousands of illegal protest marches and spoke at the gigantic, also illegal, funeral ceremonies of those killed in the resistance. "If Christ were to return to South Africa today, he would be safely arrested under security laws for his concern for the poor, the hungry and the downtrodden," he preached. At the funeral of the anti-apartheid activist Stephen Biko, who was murdered in 1977, he preached: "Pray for the rulers in this country, for the police, especially the security police and those in prison, so that they will understand that they are human too."
It was such words that made Tutu so dangerous for the apartheid terror regime: he did not allow himself to be pushed into the terror and communism corner, he had nothing to do with violence, he turned the Christian faith against a regime that was itself thought to be a Christian bastion in Africa. He gave courage to people by being courageous himself. In 1984 he received the Nobel Peace Prize and advocated bringing white South Africa to its knees with severe sanctions.
Perhaps none of this would have happened had it not been for a large white model that had opened the doors. The British white Anglican priest Trevor Huddleston, who has been working in Johannesburg since 1943, opened the seminary and an associated high school to blacks, which Desmond, who was born in 1931 as the son of a teacher and a cleaning lady and who had childhood polio, went to.
Tutu later remembered the formative experience of the White Huddleston taking off his hat to his black mother - they had never experienced anything like it. During his training for priests in London in the 1960s, Tutu first learned what equality looks like: police officers spoke to him politely, whites did not jostle in front of him in queues, he could attend concerts.
When Tutu returned home in 1967, his future path was clear. He rose in the Anglican Church, which was dominated by white but not in agreement with apartheid, and became the first black dean of Johannesburg Cathedral, general secretary of the Council of Churches of Southern Africa and finally Archbishop of Cape Town in 1986. This made him the most powerful worldwide black voice in South Africa in the last years of apartheid, before Nelson Mandela was released in 1990.
His deep faith was the basis of his fearlessness. Man, Archbishop Tutu preached, is God's agent on earth and his job is to do good and right. For him, this establishes the legitimacy of resistance to injustice and solidarity with victims of oppression, as one of his most famous quotes puts it: “If you are neutral towards injustice, you have taken the side of the oppressor. If an elephant stands on a mouse's tail and you say you are neutral, the mouse will not appreciate your neutrality. "
Tutu is said to have invented the term “rainbow nation” for the “new South Africa”. Correct South African media: At the funeral of the black communist leader Chris Hani, who was murdered by a white right-wing extremist in 1993 when the overcoming of apartheid threatened to turn into civil war, the archbishop preached: “We are God's rainbow people. We march towards freedom, black and white together ”.
After South Africa's first general election in 1994, when Mandela became president, Desmond Tutu headed the Truth and Reconciliation Commission (TRC), which dealt with crimes during the apartheid period. In this role, the South African public experienced him as the morali voice that he had been international during apartheid.
He was already suffering from prostate cancer, but even after the end of the TRC work in 1998 he traveled tirelessly the world and exercised solidarity with other oppressed, from Aung San Suu Kyi in Myanmar to the Palestinians under the Israeli occupation, which he described as apartheid.
In 2010 the now 79-year-old Tutu retired into private life. He no longer wants to spend most of his time in hotels and airports, but rather “read and write, pray and think” with his family, he said. But he never fell silent. He became a harsh critic of corruption and abuse of power in the ANC and even declared that he could no longer vote for the old liberation movement.
Tutu remained the constant admonisher to the end, calling on South Africa to “do the right thing”, as he put it - for example to get vaccinated against Covid-19.
But Desmond Tutu is not remembered as a preacher in his country. South Africa loves him above all because of his courage, his confidence and above all because of his humor, South African coarse and often untranslatable. His dancing in purple bishop's robes has become legendary, his loud, contagious, giggling laughter, his often lewd sayings.
To get a Nobel Prize, he once explained to a child, you have to "have a simple name, tutu for example, a big nose and sexy legs". When he published a children's book in old age, at the book launch he explained how he imagined his death to be: He knocked on heaven, but Peter turned him away and sent him "to a warmer place"; After a few days, Satan comes to Peter and asks for protection for himself from his new entry in Hell. Now South Africa will be curious to see how it really turns out.
Tutu died peacefully at home at 7 a.m. Sunday morning, his family announced. With him the country has lost an irreplaceable authority, as President Ramaphosa's mourning message acknowledges: "May his soul rest in peace, but his spirit watch over the future of our nation."
Sources:
- Südafrikas moralischer Wächter/ Taz 25.12.2021



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