Mittwoch, 9. Februar 2011

Und nochmal Ägypten....Wael Ghonim

Wael Ghonim saß in Ägypten zwölf Tage lang in Haft. Nun ist der Internet-Aktivist frei. Im Fernsehen berichtet er von der Gefangenschaft, spricht über seine eigene Rolle bei den Protesten – und verlässt weinend das Studio.

Schon zu Beginn der Proteste gegen Präsident Husni Mubarak war Wael Ghonim festgenommen worden und saß bis Montag in der Haft des gefürchteten ägyptischen Sicherheitsdienstes. „Ich hatte zwölf Tage lang die Augen verbunden, ich hörte nichts, ich wußte nichts“, sagte der junge Mann dem ägyptischen Privatsender Dream 2 am Montagabend nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis. Er gilt als Symbolfigur der Proteste in Ägypten.

Ghonim ist Marketingchef des US-Internetkonzerns Google für den Nahen Osten und Afrika. Er sei vor knapp zwei Wochen von vier Männern auf offener Straße überwältigt worden, erzählte er in dem Interview. Außerdem bestätigte er, auch der Administrator der Facebook-Seite „Wir sind alle Chaled Said“ zu sein. Diese Seite hatte eine wichtige Rolle bei der Organisation der Proteste gespielt. Auf ihr waren die Jugendlichen des Landes seit dem 25. Januar zu den täglichen Demonstrationen auf dem Tahrir-Platz in der Kairoer Innenstadt aufgerufen worden. Der Name der Seite bezieht sich auf einen 28-jährigen Blogger, der im Juni in Alexandria von zwei Polizisten in Zivil auf offener Straße zu Tode geprügelt wurde.

Ghonim bezeichnete seine Verhaftung als Entführung und ein Verbrechen, gab sich aber versöhnlich. Dies sei nicht die Zeit, Rechnungen zu begleichen, sagte er. Auch wenn er sichtlich erschöpft wirkte, versicherte er, dass ihm in der Haft nichts passiert sei. Gefoltert worden sei er nicht. Zugleich verwahrte er sich wiederholt dagegen, als Held bezeichnet zu werden. „Die Helden sind jene, die auf der Straße waren, die an den Demonstrationen teilgenommen haben, die ihr Leben geopfert haben, die geschlagen, verhaftet und der Gefahr ausgesetzt worden sind“, sagte Ghonim.

Als der Fernsehsender anschließend Bilder junger Menschen zeigte, die während der Proteste getötet worden waren, brach Ghonim in Tränen aus. „Ich will allen Mütter, allen Vätern, die einen Sohn verloren haben, sagen, ich entschuldige mich, es ist nicht unsere Schuld“, sagte er, bevor er abrupt das Studio verließ. Derweil harrten am Dienstag Tausende Menschen auf dem Tahrir-Platz aus und hofften auf einen Auftritt Ghonims – bislang vergeblich.

Wael Ghonim, center with microphone, said Tuesday in Cairo’s Tahrir Square, “We will not abandon our demand, and that is the departure of the regime.”/New York Times-photo:Tara Todras-Whitehill/AP

An emotional television interview given by a young Egyptian Google executive who was arrested after playing a key role in using the internet to spark the uprising against Hosni Mubarak is being hailed as a landmark moment in the ongoing revolt after it struck a chord across Egypt and beyond....

Please find English article here incl. video

Sources:
- "Ich hörte nichts, ich wusste nichts"/ Focus 08.02.2011
-
Egyptian web activist freed after protests tells TV station "I am no hero"/ The Guardian 08.02.2011
- Emotions of a reluctant hero galvanize protesters/ New York Times 08.02.2011

Kommentare:

Ulli J hat gesagt…

Liebe Birgit,

ich habe erst an diesem Wochenende deine neuen Blogbeiträge gefunden. Ich habe wohl zu lange hier nicht mehr nachgeschaut. Ich gelobe Besserung! ;)

Mich beschäftigt - wie wohl viele Menschen überall in der Welt - in den letzten Tagen die Entwicklung in Nordafrika und besonders in Ägypten. Ich hoffe alles nimmt ein gutes Ende und die Menschen in Ägypten bekommen die Regierung, die sich wünschen und die sie nach ihrer mutigen Revolution verdient haben.

Ulli

Simba hat gesagt…

Liebe ulli,

Deinen Wünschen für die Menschen in Ägypten kann ich mich nur anschließen. Auch ich bin gespannt, wie sich das nun dort und überhaupt alles in Nordafrika weiterentwickelt, auch im Iran geht eine Opposition auf die Straße...

Und doch bleibt die Angst vor Not, Arbeitslosigkeit etc. bei vielen. Ich war geschockt , als ich gestern die Bilder der vielen Flüchtlinge aus Tunesien in Lampedusa gesehen habe...

Ich wünsche allen Demokratiedurstigen einen langen Atem, denn den werden sie brauchen um ihr Land sichtbar umzukrempeln!

Birgit