Sonntag, 22. April 2012

Und alle 3 Jahre nach Alaska....Wenn Plastikenten reisen - Duck Research not in the bath tub

Photo: poolie/Flickr
Am 10.Januar 1992 gerät der Frachter "Tokyo Express" auf dem Weg von Hongkong nach Tacoma/USA in einen schweren Sturm. Im Nordpazifik an der Datumdgrenze verlor er dabei drei Container. Es wurden etwa 29.000 Kunststofftiere ins Meer gespült: gelbe Enten, grüne Frösche, blaue Schildkröten und rote Biber.

Hier ein Artikel aus dem Jahr 2007

"Nach 15 Jahren auf See: Tausende Quietsche-Enten nehmen Kurs auf England"


29.000 Plastiktiere auf hoher See: Eine Frachterladung Badewannen-Spielzeug treibt seit 15 Jahren mit der Strömung über die Weltmeere. Diesen Sommer erwarten Experten einige der Plastikenten an der englischen Küste – auf glückliche Finder wartet eine Belohnung.

Wenn die gelben Enten, blauen Schildkröten und grünen Frösche aus Plastik sprechen könnten, würden sie Unglaubliches berichten: von dem Sturz ins Wasser vom Containerschiff, der Trennung von den Artgenossen durch Strömungen, vom Eis in Alaska. Von Pazifik und Atlantik, brüllender Hitze und haushohen Wellen. Statt einer von Spiel und Spaß geprägten Existenz in den Baby-Badewannen der USA wartete auf die in China gefertigten "Friendly Floatees" eine 15-jährige Odyssee - die ausdauerndsten Exemplare legten dabei fast 17.000 Meilen (27.000 Kilometer) auf dem Meer zurück, wie die britische "Times" berichtet.

Doch von vorne: Im Januar 1992 verlor ein Frachter aus Hongkong auf seiner Reise nach Tacoma im US-Staat Washington im Ostpazifik einige Container mit insgesamt knapp 29.000 Spielzeugtieren. Die Behälter öffneten sich, und die Plastikobjekte schwammen fortan auf den Weltmeeren dorthin, wo die Strömung sie hintrieb, und verteilten sich in verschiedene Richtungen.


Zwei Drittel der "Floatees" trieben nach Süden, einige Exemplare wurden in Australien, Indonesien und Südamerika gefunden. Etwa 10.000 der Figuren gelangten in nördlicher Richtung durch das Beringmeer in Richtung Alaska, wo einige im Eis festfroren und andere strandeten. Im Jahr 2000, acht Jahre nach dem Unglück, wurden einige Plastikenten im Nordatlantik zwischen Maine und Massachusetts gesichtet. Durch die Firmenaufschrift "Frist Years Inc." waren sie eindeutig zu identifizieren, obwohl Sonne und Meer die Oberfläche gebleicht hatten.

A children's book about the "friendly floatees"


Inzwischen hatte die Planschtier-Armada nicht nur zwei Autoren zu Kinderbüchern inspiriert, sondern auch das Interesse von Meeresforschern geweckt. Durch Entenfunde konnten Wissenschaftler Aufschlüsse über Klimawandel und Meeresströmungen gewinnen. Experten rechnen damit, dass der Kunststoff mindestens 100 Jahre im Meer überstehen wird.

Im Jahr 2003 wurde eine Plastikente auf den Hebriden im Nordwesten Schottlands gefunden, jetzt sagen Ozeanforscher voraus, dass sie diesen Sommer in England, im Süden Irlands oder im Westen Schottlands angespült werden könnten. "Cornwall und der Südwesten Englands werden vermutlich die erste Welle abkriegen", sagte Ozeanforscher Curtis Ebbesmeyer, der sich seit Jahren mit den Reisewegen der "Friendly Floatees" beschäftigt, der englischen "Daily Mail". Wenn die ersten Enten und Frösche an britischen Strände auftauchen, könnte das einen wahren Goldrausch auslösen – der Hersteller hat für jedes gefundene Tier einen Finderlohn von 50 Pfund ausgesetzt." (source)

"Mother Duck" waiting for her little ones in England

Die niederländische Künstlerin Marga Houtman inspirierte das Schicksal der Floatees zu der über zwei Meter großen Enten-Skulptur „Mother Duck“, die in England auf die Ankunft ihrer kleinen Artgenossen warten soll.

Auch Klimaforscher wie Stefan Rahmstorf vom Potsdamer Institut für Klimaforschung sind an den Wanderwegen der Floatees interessiert. Durch die grönländische Eisschmelze im Zuge des Klimawandels dringt Süßwasser in die Labradorsee, das Nordpolarmeer und die Grönlandsee ein, wobei das (leichtere) Süßwasser nicht so leicht absinkt und so die Meeresströmungen verlangsamt.

Niemand konnte damals ahnen, dass diese Kunstsstoffentchen 20 Jahre später immer noch die Ozeane der Welt bereisen und dass genau diese Spielzeugflottille unser Verständnis für Meeresströmungen revolutionieren würde. 

Ihnen ist zu verdanken, dass wir heute auch mehr darüber wissen, wo unser Müll hingeht und wie er, oder eben nicht, abgebaut wird. 

Etwa 80 Prozent des Abfalls im Great Pacific Garbage Patch kommt vom Land, Plastiktüten, Flaschen und diverse andere Konsumgüter. Frei flottierende Fischernetze bilden weitere 10 Prozent aller Abfälle im Meer, oder, nach UN-Schätzungen, etwa 705.000 Tonnen.

Der Rest stammt größtenteils von Freizeitschiffen, Offshore-Bohrinseln und großen Frachtschiffen, die jedes Jahr rund 10.000 Stahl-Container im Meer verlieren, voller Dinge wie Helme, Handschuhe, Computermonitore, Harzpellets und LEGOs. Doch trotz dieser Vielfalt - und viel Metall, Glas und Gummi findet sich innerhalb des Garbage Patches fast ausschließlich Plastik, alles andere versinkt zumeist oder wird biologisch abgebaut, bevor es dort ankommt.
Und die schlechte Nachricht: Es gibt nicht nur den Great Pacific Ocean Patch, 11 größere Strömungswirbel sind bekannt, aber dazu in einem weiteren Beitrag mehr.



On 10 January 1992, during a storm in the North Pacific Ocean close to the International Date Line, twelve 40-foot (13.3 m) intermodal containers were washed overboard. One of these containers held 28,800 Floatees, a child's bath toy which came in a number of forms: red beavers, green frogs, blue turtles and yellow ducks. At some point, the container opened (possibly due to collision with other containers or the ship itself) and the Floatees were released. Although each toy was mounted in a plastic housing attached to a backing card, subsequent tests showed that the cardboard quickly degraded in sea water allowing the Floatees to escape. Unlike many bath toys, Friendly Floatees have no holes in them so they do not take on water.

Curtis Ebbesmeyer, ein pensionierter Ozeanforscher verfolgte die Spur der Enten im Zuge der konstant zirkulierenden Strömung, dem Wirbel, der zwischen  Japan,Südost-Alaska, Kodiak und den Aleuten verläuft.

"Wir wussten immer, dass es diese Strömungswirbel gab. Aber bevor die Enten auftauchten,wussten wir nicht, wie lange eine Umdrehung dauert. "Es war vergleichbar mit dem Wissen über die Existenz eines Planeten im Sonnensystem, von dem man aber nicht sagen konnte, wie lang seine Umlaufbahn ist. Nun wissen wir genau, wie lange es dauert: es sind ungefähr drei Jahre." (source)
Demnach bewegt sich der Müll mit 11cm/Sek.in einem riesigen Kreis


"No one at the time could have guessed that those same bath toys would still be floating the world's oceans nearly 20 years later.Today that flotilla of plastic ducks are being hailed for revolutionizing our understanding of ocean currents, as well as for teaching us a thing or two about plastic pollution in the process, according to the Independent.

Since that fabled day in 1992 when they were unceremoniously abandoned at sea, the yellow ducks have bobbed halfway around the world. Some have washed up on the shores of Hawaii, Alaska, South America, Australia and the Pacific Northwest; others have been found frozen in Arctic ice. Still others have somehow made their way as far as Scotland and Newfoundland, in the Atlantic.

The charismatic duckies have even been christened with a name, the "Friendly Floatees," by devoted followers who have tracked their progress over the years.

"I have a website that people use to send me pictures of the ducks they find on beaches all over the world," said Curtis Ebbesmeyer, a retired oceanographer and Floatee enthusiast. "I'm able to tell quickly if they are from this batch. I've had one from the UK which I believe is genuine. A photograph of it was sent to me by a woman judge in Scotland."

Perhaps the most famous Floatees, though, are the some 2,000 of them that still circulate in the currents of the North Pacific Gyre — a vortex of currents which stretches between Japan, southeast Alaska, Kodiak and the Aleutian Islands that the plight of the duckies helped to identify.

"We always knew that this gyre existed. But until the ducks came along, we didn't know how long it took to complete a circuit," said Ebbesmeyer. "It was like knowing that a planet is in the solar system but not being able to say how long it takes to orbit. Well, now we know exactly how long it takes: about three years."

Today the North Pacific Gyre is also home to what has been called the Great Pacific Ocean Garbage Patch, a massive island of floating debris, mostly plastic, that the gyre stirs like a giant pot of trashy soup. (A short documentary about the gyre paints a pretty grim picture.) Though the rubber ducks have helped raise awareness about the gyre, most of what makes up the garbage patch is hardly so cute. Most of it consists of tiny plastic fragments and chemical sludge, but just about anything that floats which people discard can be found there.

Some of the trash got there the same way the rubber duckies did, via lost shipping crates. Though no one knows exactly how many shipping containers are lost at sea every year, oceanographers put the figure at anything from several hundred to 10,000 a year, a startling estimate, though still only a tiny part of a global trash problem.

"I've heard tales of containers getting lost that are full of those big plastic bags that dry cleaners use," said Donovan Hohn, an author of a book called "Moby-Duck," which immortalizes the journey of the 28,000 rubber duckies. "I've also heard of crates full of cigarettes going overboard, which of course end up having their butts ingested by marine animals. In fact, one of the endnotes in my book lists the contents of a dead whale's belly: it was full of trash. Plastic pollution is a real problem."

Today we know that there are as many as 11 major gyres across the world's oceans, and all of them are potential vestibules for the world's trash. And if the Friendly Floatees are an example for anything, it's that plastic trash endures for a very long time and that it's a global issue.

"The ones washing up in Alaska after 19 years are still in pretty good shape," added Ebbesmeyer.
(source
 
Nicht nur auf den Spuren von Enten-Curtis Ebbesmeyer verfolgt auch den Weg von Nike Schuhen, hier angeschwemmt an einem Strand der pazifischen Nordwest Küste, Jahre nachdem sie im Mai 1990 einem Frachter über Bord gingen.
But not only duckies are tracked by Ebbesmeyer. Details of the great Nike spill of May 27,1990 put his name and his research on the map. On the way from Korea to the US, the ship Hansa Carrier was hit by a strong storm in May 1990, sending 21 shipping containers overboard south of the Alaska Peninsula, near 48°N 161°W / 48°N 161°W / 48; -161 . Five of those held 61,000 Nike sneakers and work boots -- about 80,000 in all -- with unique serial numbers.

Another notable cargo spill happened in 1994, the Hyundai Seattle gave up 34,000 hockey gloves, chest protectors and shin guards.(source)

Today we know that about 80 percent of ocean debris comes from land, much of which is plastic bags, bottles and various other consumer products. Free-floating fishing nets make up another 10 percent of all marine litter, or about 705,000 tons, according to U.N. estimates. The rest comes largely from recreational boaters, offshore oil rigs and large cargo ships, which drop about 10,000 steel shipping containers into the sea each year, full of things like hockey gloves, computer monitors, resin pellets and LEGOs. But despite such diversity — and plenty of metal, glass and rubber in the garbage patch — the majority of material is still plastic, since most everything else sinks or biodegrades before it gets there.(source

Und zum Schluss noch mehr Enten - More duckies...


Auch die NASA hat Plastikenten für ihre Forschung entdeckt, 90 Entchen wurden in Löcher des Jakobshavn Eisbergs in der Baffin Bay gesteckt, in der Hoffnung auf Erkenntnisse über den  Bewegungsprozess von Wasser durch Eisberge.
Photo: Konrad Steffen/ University Of Colorado: Discovery Channel Article


NASA scientists have dropped 90 ducks into holes in the Jakobshavn Glacier in Baffin Bay, Greenland, which is responsible for moving as much as 7% of Greenland’s ice into the ocean. The scientists are hoping that the ducks will help shed some light on the process by which glaciers move. It is thought that water on top of the glacier melts into pools which then form tunnels down through the glacier. The tunnels then provide a route for more meltwater to collect underneath the glacier. This water could be responsible for “greasing the way” for glaciers to slide more quickly off land into the sea. Scientists hope the ducks will help them understand how water moves through the glacier. The rubber ducks are marked with “science experiment” and “reward” in three languages, as well as an email address. Scientists expect the rubber ducks to end up in Baffin Bay. So far, no rubber ducks have been recovered. (source)

Giant Duck by artist Florentin Hofman in the Bassin of St. Nazaire in France


Sources:
- Lost at sea: On the trail of Moby-Duck/The Independent 27.02.2011
- If the shoe fits/Alaska Science Forum 02.09.1992
- Duckies around the World/ Rubber Duck News
- NASA Glacier Ducks/Rubber Duck News
- What is the Great Pacific Ocean Garbage Patch/MNN
- Friendly Floaties on wikipedia/engl.& dt.
- Marine Debris on wikipedia/engl. & dt.


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Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Liebe Birgit,

diese Plastikenten übernehmen gewissermaßen die ehemalige Flaschenpost.
Ihre Lebensdauer ist beträchtlich und ihre weltumspannende Reise nicht nur für die Wissenschaftler hochinteressant.
Die Quietschenten werden hoffentlich eher selten versehentlich als Futter angesehen, wie die Unmengen von Plastiktütenschwärmen, die so vielen Meeresbewohnern zum Verhängnis werden. Aber darüber hattest Du ja schon gepostet.

Liebe Grüße und vielleicht kommt auch mal eins an die Gestade von Rodrigues - viel Glück!
Britta-Gudrun

Dostoy hat gesagt…

This story is both cute and alarming at the same time. Thanks for sharing it. Yes, the entire world is connected. And, yes, plastic is a huge problem since it takes 500 years to biodegrade. The "rubber duckies" as we call them in America (even though they are plastic) have shed interesting scientific research. They are also a major wake-up call. We need to reduce the vast amount of plastic that we use!